Notizen / Erstbestes & Reste zur Literatur

27.03.2018 // „Sich des Vergessens zu bemächtigen ist kaum mehr als eine Geste, aber eine, die hinsichtlich meiner Theorie der Literatur konsequent wäre, zumindest hinsichtlich meiner Verachtung der Erinnerung als Instrument des Schriftstellers. Das Vergessen ist viel reicher, viel freier, viel mächtiger. […] Ich vermute, dass wir in den meisten, wenn nicht in allen Fällen, etwas nur vergessen wähnen, was in Wirklichkeit nicht passiert ist. Wir haben gar nicht vergessen. Das Vergessen ist reine Empfindung.“ Aus: Die Schneiderin und der Wind von César Aira

20.03.2018 // Vom Slogan zur Story: „Am Anfang der Werbetexte, wie wir sie kennen, war der slogan. Er setzt anstelle der schnell verbrauchten sprachlichen Konvention des Reims die Prägnanz der Banalität bis hin zur Tautologie. Die Idee des slogans ist seine Ewigkeit, seine Dauer. Der Urslogan heißt ‚AMEN‘.“ (Michael Schirner, 1988). Jetzt, 30 Jahre später, heißt ein Mantra der Werbe-Industrie: „Facts tell, stories sell.“ Die „Prägnanz der Banalität“ wird eingetauscht mit der Emotionalität der Geschichte, in der sich jeder / jede, anders als beim slogan, bei dem die simple klangliche oder strukturelle Idiotie ewig im Ohr hängen blieb, hineinfühlen & hineinerzählen kann. Der Möglichkeitsraum des Narrativen steht mehr Leuten zur Verfügung (gut), er bietet aber zugleich und ausschließlich eine ökonomische Erzähloption (schlecht): Die Krankenkasse X berichtet etwa auf riesigen Postern von Musiklehrer Otto, der das und das überlebt hat, und vor Freude jetzt seine Oboe wie eine neue Liebe umarmt. Und Bank Y lockt in wunderhübschen Spots damit, dass das dort geliehende Geld helfe, eine zuckergussig tolle Lebensgeschichte zu entwerfen: mit Haus, Auto und Urlaub. Implizit wird mitgeteilt: Wer kein Geld von uns nimmt, wird nichts erleben und also nichts zu erählen haben. Ein Verweis darauf, dass dem Erzählen immer etwas Unzuverlässiges / Manipulatives innewohnt, ist bei derlei narrativen Service-Lockungen natürlich unangebracht. Und so erzählt sich jeder munter und vermeintlich singulär weiter und weiter und entwirf sich als Marke, die, na klar, anderer Marken bedarf, um sich selbst auszustatten. Folge: Unendlicher Story-Kreislauf, bis hin zur völligen Entleerung kritischen Erzählens, das beweisen kann / könnte, wie abseits kapitalistischen Mainstream-Identitätsentwürfen vom Ich / von der Welt erzählt werden kann / hätte erzählt werden können.

15.03.2018 // Das Computerspiel ist der neue Pop-Song, es dient in immer mehr Romanen als Ausweis dafür, wie man aufwuchs, welcher Weltanschauungsclique man angehörte, welchem Code man folgte; nachzulesen u. a. bei Erstlingen von Autoren und Autorinnen, die allesamt in den 80er geboren sind: Juan S. Guse, Janko Marklein, Tijan Sila, zuletzt bei Josefine Rieks, deren leider mittelmäßiger „Serverland“ u. a. von Thomas Lindemann in der FAS hochgehalten wurde. Bei Wiki ist zu lesen: „T. L.  hat er als einer der ersten Journalisten im klassischen Feuilleton einer Zeitung über Computerspiele geschrieben.“

10.03.2018 // Stenotypistin 1929 darüber, wieso sie abends nichts liest, wegen vermeintlicher „Lesekrise“ und so:

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Dazu Friedrich Kittler trocken-toll: „Die Nacht des Spielfilms mit ihrem listig simulierten Bildfolgenkontinuum darf Wunden wieder schließen, die die Schreibmaschine, dieses Musterbeispiel moderner und das heißt ruckhaft diskreter Datenverarbeitung, den Augen tagsüber beigebracht hat. Literatur jedenfalls tauch nicht auf; sie verschwindet im Loch zwischen einer Arbeits- und einer Freizeitmaschine.“

03.03.2018 // „Die eifrigste Bettgefährtin des Patriotismus war Unwissenheit,  nicht Wissen.“ Aus: England, England von Julian Barnes

18.02.2018 // „Das wahrhaft Unerklärliche kennt nur einen Tempel, die Massenmedien.“ Aus: Wie ich Nonne wurde von César Aira

16.02.2018 // Paul Verlaine über Textfindung: „Der Fug und der abschließende Zusammenklang der voneinander unabhängigen Eigenschaften, die es zu verweben gilt, werden nie durch ein Rezept oder einen Automatismus erzielt, sondern durch das Wunder oder schließlich und endlich durch Bemühung – durch Wunder im Verein mit Bemühungen, die ein Wille trägt.“

11.02.2018 // Das Erstmaterial von Literatur wird, wie alles, wie jeder, von den digitalen Großkonzernen anvisiert, und es beginnt unverhohlen mit den Namen und Logos: Bei Amazon führt vom ersten a zum z ein Pfeil, angezeigt wird der Totalanspruch, mit dem alles abgedeckt, alles bestimmt, alles genutzt werden möchte. Google gründete 2016 eine Dachgesellschaft, die alle Forschungsbereiche, Start-Ups und Wirtschaftszweige bündelt, sie heißt Alphabet. Und Apple erhebt mit seiner biblischen Frucht, dem Beginn der Erkenntnis, ähnlich weltumspannende Ansprüche. Dass diese Einverleibungsidee, auf allen, auch artistischen Feldern mitzuwirken, sich auf den kleinen üblichen Alltag niederschlägt, zeigt die Nutzung der Browser. Wer nicht gesondern einstellt, dass ihm bestimmte URLs nicht vorgeschlagen werden sollen, wird nach dem Eintippen eines einzigen Buchstabens mit den big players und deren Ansprüchen konfrontiert: a leitet zu Amazon weiter, e zu Ebay, w zu Wallmarkt, g, natürlich, zu Google. Das lässt sich, schön und zuverlässig, 26mal durchführen. Und ja, dem Buchstaben ist nach wie vor sein Zeichenhaftes eingeschrieben. Bloß ist dieses semiotische Potential ökonomisch kanalisert worden: steht für Amazon, nicht mehr für den Beginn der Welt, für den Beginn des literalen / literarischen Sinns. & wenig scheint verlockender / schwieriger, als eine buchstäbliche (künstlerische) Freiheit abseits dieser Vermarktung / Funktionalisierung zu finden.

02.02.2018 // über Leid & Glanz des Storytellings: „One day baby, we’ll be old. Oh baby, we’ll be old. And think about all the stories that we could have told.“

Es wird nach vorne gedacht, um von der zukünftigen Position aus zurückzublicken, zurück in eine von dort als karg empfundene Lebenszeit. Der Konjunktiv II steckt uns bereits in den müden Knochen. Wir wissen, was wir anstellen können / müssen, was wir an Stories (als Beweis für ein gutes, intensives Leben) anhäufen sollen, tun es nicht und werden uns später an unserer damaligen Untätigkeit laben. movie

Stattdessen hören wir im Hier & Jetzt einen Song, der uns vor Augen / Ohren führt, was umgesetzt werden sollte, einen Song, der zugleich sein eigenes Anliegen konterkariert. Wer ihn schreibt / singt / hört / kommentiert, grübelt vor sich und wird gerade nicht story-tätig.  „One day“ kreiert eine melancholische Schleife, die erst den Boden für jenen Zustand bereitet, der dann in den eigenen Lyrics beklagt wird. Der Song bringt sein eigenes (besingenswertes) Leid hervor.

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Zeichnung von Richard Pfeiffer, in: Jugend 16/1911

Ganz ähnlich auf dieser Zeichnung aus der Kulturwochenschrift Jugend von 1911. Der lesende Jüngling, der rücklings an die Grübelei angeschnallt ist und sich nach dem flatternden Leben sehnt, umso mehr, je länger er über eben dieses in seinem Buch gelesen hat. & die Frage, wer man sein will: der seufzende Leser, der unbeschwerte Beisteher oder der Schmetterling, der sich dadurch auszeichnet, von nichts eine Ahnung zu haben außer von der Weise, wie man sich falterleicht durch’s Blau bewegt.

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bzgl. Gomringer / Waterhouse etc., zu lang, egal: Eigentlich wird eine sinnvolle / notwendige Debatte bezüglich der sexistischen personalen / publizistischen / finanziellen Aufstellung des Kulturbetriebs, sei es in Film / Theater / Literatur, über den schwierigsten aller Wege geführt: über den ästhetisch-interpretativen. Die tatsächlich fragwürdige und diskussionsrelevante falsche Verteilung im Kulturbetrieb wird darüber angesprochen, dass über die vermeintlich falsche Repräsentation innerhalb des Kunstwerkes geredet wird: Der männliche Schreibblick sei sexistisch, der männlich, weißgeführte Pinsel sei sexistisch usw. Hinzu kommen identitäre Anprangerungen, denen letztlich ein authentizitisches Denken zugrunde liegt: Der weiße Mann darf nicht über Y schreiben, sonst eignet er sich etwas Fremdes an, manipuliert es, nutznießt in einer kaschierenden postkolonialen Logik nach wie vor von Machtverhältnissen, die es doch eigentlich abzuschaffen gilt. Dabei handelt es sich primär um eine strukturelle Frage, die aber als ästhetische verhandelt wird, weil letzterer Modus qua Interpretation freiere Argumentationen und Zuweisungen zulässt. Am Ende aber wird die hermeneutische Offenheit zugunsten der eigenen, verabsolutierten Interpretation verraten: Ich sehe in X einen sexistischen Akt, deswegen ist dieses Gedicht / Gemälde untragbar. Andere Meinungen, die sich derselben Methode, der gegenstandsnahen Interpretation, bedienen, werden verworfen, ihre Anwender gebrandmarkt: Mit deiner anti- oder a-sexistischen Interpretation verstärkst Du bloß den falschen Diskurs. In dieser Logik kann es nur eine richtige Positionierung geben, diejenige auf Seiten der Erneuerer / Kritisierer, die darüber letzten Endes ihr eigenes Anliegen schwächen. Schließlich gäbe es ausreichend viele Leute, die grundsätzlich für einen faireren Betrieb, insbesondere in gender-Fragen, einstehen würden, würde man sie bloß nicht über die Vereinnahmung des Kunstwerks verschrecken. Die Gegner von avenidas et al. bestreiten eigentlich in letzter Konsequenz (wenn sie sich selbst bis dahin bedenken) die Autonomie des Kunstwerkes, sie sehen in ihm ein Abbild einer sozialen unfairen / rassistischen / sexistischen Realität. Das ist dahingehend nicht falsch, als das Panzerargument der totalen Kunst, die immer etwas Unverfügbares behält gegenüber dem Weltlichen, ein Konstrukt der letzten Jahrhunderte ist, und ebenso auf einer schiefen Prämisse beruht, nämlich dass Kunst einen Platz / Zustand / Wert außerhalb der niederen Gesellschaft innehabe. Das ist auch eine Art der ästhetizistischen Verherrlichung: die Inthronisierung der Kunst als Unbelangbares. In den Interpretationen, die in den Kunstwerken und ihrer Rezeption nun ein falsches Denken / Abbilden erkennen wollen, kippt das Zusammenspiel. Kunst wird dazu genutzt, durch sie hindurch ein nicht-ästhetisches Argument vorzubringen, als schöner Schein wird sie dazu gebraucht (einige sagen: missbraucht), einen völlig legitimen & wichtigen Punkt zu machen, der aber keine ästhetische Qualität besitzt – und dementsprechend nicht unter ästhetischen Gesichtspunkten verhandelt werden sollte. (Die Gegner wiederum sagen an dieser Stelle: Die Kunst zeigt, wie die Welt ist, und die Welt ist schlecht, also müssen wir auch über schlechte Kunstwerke reden!) Dieser schiefe Weg hin zu einem guten Ziel ist das eigentliche Problem bei avenidas et al. Zugleich ziehen sich alle auf ihre extremen Kategorien zurück, aus denen heraus notwendigerweise alle frontal aufeinanderstoßen: hier die vermeintliche Kunstfreiheit, dort der behauptete Sexismus. Beides wirkt unvereinbar, weil beides jeweils als totale Kategorie gedacht wird. Annäherung, Kompromiss, Eingeständnis – all dies wird gerade nicht bemüht, am ehesten noch bei dem avenidas-Streit, der ja im Rahmen eines partizipativen Prozesses vieles richtig gemacht.

01.02.2018 // Nachtrag zur Hyperironie: Freund JG meinte, dieser ‚Schwachsinn‘ gleiche von der Denk- und Präsentierlogik den übelsten Kosmetik-Produkten mit ihren vermeintlich neuen, tatsächlich ewig gestrigen Kampagnen, in  denen Ultra- und Mega- und Terra-Volume-Mascara beworben werden, weil die Industrie eine einzige Sache kaschieren muss, deren Preisgabe ihr ganzes Modell kollabieren lassen würde: dass sie nichts Innovatives zu sagen haben, längst nicht mehr. Und jede rangepappte Steigerungsformel sei ein Beispiel der totalen, sichtbaren Hohlheit des verkündeten Produkts. Zugleich müsse man sich eingestehen, dass gerade dieses Sprechen / Werben tüchtig vor sich hinfunktioniere. Der Markt wird bedient, die Kunden kommen, nie waren die dm-Schlangen länger.

31.01.2018 // Der Nomadismus ist auch (und insbesondere?) eine kapitalistische Ideologie: Flexibilisierung, Dyamisierung, Freizügigkeit. Überall sein, nicht um dort zu leben / zu denken, sondern um dort zu arbeiten / produktiv zu sein. Die Namen sprechen Bände: mit dem KLM CITY HOPPER rumdüsen, dann in den VW TOUAREK steigen, später in den INTERCITY springen. Die Bewegung ist längst zu einer Zuarbeit geworden. Deswegen: Skepsis hegen, der erste Satz von „Traurige Tropen“ lautet: „Je hais les voyages et les explorateurs“. Dabei bleiben. Dieses triefend schlechte „mobil“-Blatt der DB interviewte mal „Kraftklub“, auf die Frage, ob sie gerne reisen würden, kam die Antwort: „Die Welt steht uns offen, darum bleiben wir hier.“ Oft leistet die Reiseliteratur ihren Beitrag, um diese Ideologie zu stützen: ein wenig Reisen, ein wenig Ethno-Kitsch, ein wenig Exotismus, ein wenig post-koloniale Selbstkritik, im faulen Kern steckt trotz aller stilistischen Mühe der TUI-Katalog. Hinzu kommt eine fast schon hündische Unreflektiertheit der eigenen Gattung gegenüber: Wer braucht denn schon noch Reiseliteraten, die von fremden Städten & Menschen künden, wenn wir für 200 Euro nach Japan fliegen und pro Stunde 100 Fotos auf Plattformen veröffentlichen / einsehen können. Die Gattung hat sich in der Form selbst überlebt, sie hat ihre einstige privilegierte publizistische Legitimität längst verloren. Und doch: Kleinere Texte lesen müssen, in denen Autoren nach Abu Dhabi düsen, die Luft mit Kerosinabgasen zusprühen, sich Vollverschleierte anschauen und darüber reflektieren, dass das Hochwasser hier eine interessante Folge des Klimawandels sei.

30.01.2018 // „‚Ein Text ist beweglich‘, sagt Senthuran Varatharajah. Die Sprache, so fordert der junge Autor, der 2017 für sein Romandebüt ‚Vor der Zunahme der Zeichen‘ einen letzten Chamisso-Förderpreis erhielt, solle ähnlich in Bewegung sein wie die Figuren.“ (aus: Kurzfazit der Chamisso-Vorlesungen in München, SZ) /// der luxemburgischstämmige Autor Pierre Joris, der erst in Paris lebte, jetzt seit Jahrzehnten in New York, arbeitet ebenfalls an einer nomadischen Schreib-, Seh- und Lebensweise:

joris

Quelle

Bei SV ist diese Poetik auf dem Instagram-Account, auch eine öffentliche Darbietungsplattform, zu sehen: Viele Stories, kurze, 30sekündige Clips, die nur einmal betrachtet werden können. Zu sehen sind Bahnhöfe,  Metroschächte, urbane Ecken an allen möglichen Enden und Anfängen der Welt, ein Flugzeug im Taxi-Modus, das über Betonplatten rollt, und allem geht die Aura des Flanerie ab, das einstige Versprechen, das der gekonnten Bewegung innelag. Nirgends mehr der Dandy, der Genuß zieht aus seiner Umgebung, sie ästhetisiert mit Blicken & Worten. Das ist vorbei. Was bleibt, ist handelsübliche Mobilität, atemlos und klickbereit durch die Welt, bestenfalls ein Straßenschild, ein Romansatz als Anhaltspunkt.

29.01.2018 // Es gibt nur zwei Optionen, wie man sich ggüber den RKOL verhalten kann: verarscht werden oder Akademismus vorgeworfen bekommen.

daswetter_akademismus

daswetter_verarscht
Interview-Aussage der RKOL-Leute (in: Wetter 14), auf dieses SZ-Portrait wird Bezug genommen.

27.01.2018 // Das neue Epigonentum lauert im Autorenbild, nicht mehr im Text / im Sound / in der Poetik. Und wie bei so vielem in der Gegenwartsliteratur zeigt sich auch hierhin die Dauerpräsenz der Üblichen, etwa: Kracht & Stucki.

 

 

 

24.01.2018 // Die Authentizität erlegt einem auf, wie man sprechen soll, nämlich immer im engmaschigen Verbund zwischen Erlebtem / Erfahrenem & dem Erschriebenen, nur diese TREUE Verknüpfung zwischen Leben & Lettern ist gültig, alles andere, die Abschweifung, die Lüge, die Prellung, das Hochstaplerische, die Übertreibung, die Verstellung, die Auslassung, die Verzerrung, das Erdachte, Hinzugefügte und Maskierte und Abgeschminkte – alle diese Spielarten des ZUSÄTZLICHEN / der GESTALTUNG sind nicht erlaubt, weil sie die ehrbare Verknüpfung zwischen dem, der lebt, und dem, der schreibt, stören / unterbinden. Die A. engt Literatur auf ihre weltliche Eigentlichkeit ein, sie zerstört / zersetzt Überschüssiges / Anderes (indem sie es verdächtigt, zu betrügen / zu manipulieren) und trainiert einem auf diese Weise einen urteilenden Blick an, der nur jene Behauptung zulässt, die deckungsgleich ist mit dem Behaupter. Der Autor beweist seinen Text qua Biograpie / Körper / Lebenserfahrung. Imagination ist suskept, artifizielle Ausstaffierung unnötige Deko, anti-biographische Kühnheit ein Vergehen. So sind alle Kategorien längst aufgeteilt, alle Stempel gezückt, jede Weltanschauung hübsch eingerastet. Vor dem Lesen ist nach dem Lesen.

 

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