Kritiken

Surfen lässt sich nur an der Oberfläche. Über Josefine Rieks Debütroman „Serverland“

War die Tankstelle einer der mythischen Räume, an dem der Zeitgeist des vergangenen Jahrhunderts offenbar wurde, so ist der Serverraum einer der Orte, an denen das 21. Jahrhundert paradigmatisch wird. Das Brummen der Algorithmen, die umfassende Vernetzung, die schöne Kühle der technischen Geräte – in Datenzentren, wie sie „Google“ oder „Facebook“ betreiben, spielt sich die… Weiterlesen Surfen lässt sich nur an der Oberfläche. Über Josefine Rieks Debütroman „Serverland“

Kritiken

Den Zeitenwind in Worte fassen. Über Amitav Ghoshs Essay „Die große Verblendung“

Was gibt es vermeintlich Harmloseres als Smalltalk über Sonne, Nässe und Wind: „Wieder so viel Nebel. Immer noch Regen. Ach, diese Hitze!“ Im Supermarkt, vor dem Nachbarzaun, am Telefon – nur zu gerne reden wir wie Meteorologen vor uns hin. Aber in den letzten Jahren hat sich in diese unbekümmerte Plauderei etwas eingeschlichen, ein Unwohlsein… Weiterlesen Den Zeitenwind in Worte fassen. Über Amitav Ghoshs Essay „Die große Verblendung“

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Kassandras Standard. Über Omar El Akkads Roman „American War“

Nie war es leichter, sich als Prophet zu gebärden, nie billiger, vom Ende des Friedens, des Westens oder gleich der ganzen Welt zu künden. Ein wenig Krise, dazu Krieg samt seinen Unwägbarkeiten, mittendrin Figuren, die straucheln und fallen – schon wirkt es, als sähe man, was da käme. Was passiert aber, wenn hieraus Literatur wird?… Weiterlesen Kassandras Standard. Über Omar El Akkads Roman „American War“

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Papperlapathos. Über Simon Strauß‘ Manifestroman „Sieben Nächte“

Es ist ein willkommenes Buch, für alle, auch für Kritiker, die es sich zu einfach machen (wollen), die im Buch nur die falsche, hysterische, hyperaktive Artikulation eines Wohlstandskindes sehen, das sich auflehnt, ein erstes, ein letztes Mal, bevor es an den Trog der Arbeit, der Familie, der Schulden geführt wird und nie wieder etwas Größeres,… Weiterlesen Papperlapathos. Über Simon Strauß‘ Manifestroman „Sieben Nächte“

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Die Schrulle hat System. Über Francis Neniks Buch „Die Untergründung Amerikas“

Ein Buch nicht zusammenfassen zu können – das deutet meistens auf eine zähe Lektüre hin, auf eine klobige, verfahrene Geschichte. Mitunter kann die Unmöglichkeit, einen Text zu paraphrasieren, aber auf dessen beharrliche Eigenwilligkeit hindeuten, auf das Hirnrissige und heillos Eigenartige eines Buches. „Die Untergründung Amerikas“ von Francis Nenik ist glücklicherweise letzterer Kategorie zuzuschlagen. Die Protagonistin… Weiterlesen Die Schrulle hat System. Über Francis Neniks Buch „Die Untergründung Amerikas“

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Vom Verlust und vom Lesen. Über Ali Smiths Buch „Wem erzähle ich das?“

Am Beginn steht die Not: „Das volle Jahr und der Tag waren verstrichen, und ich wusste mir noch immer keinen Rat.“ Die Ich-Erzählerin hat ihre Lebenspartnerin verloren, seit einem Jahr trauert sie und versucht, wieder zu sich zu finden. Bezüglich der Beziehung und deren Ende bekommen wir in „Wem erzähle ich das?“ aber nur spärliche… Weiterlesen Vom Verlust und vom Lesen. Über Ali Smiths Buch „Wem erzähle ich das?“

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Direkt davor und längst danach. Über Jan Wehns „Morgellon“ und Hendrik Otrembas „Über uns der Schaum“

„Morgellon“, der Erstling von Jan Wehn, ist ein Buch der Anregungen. Es sind die medialen, pharmazeutischen und psychotischen Stimuli unserer Zeit, die den Protagonisten Noah Zimmermann auf gerade einmal 75 Seiten ans Ende der Gesellschaft und seiner selbst treiben. Mit einer Junkie-Einlage setzt der Wegfall aus dem Sozialen ein: Nachdem der Student Noah seinem Dealer… Weiterlesen Direkt davor und längst danach. Über Jan Wehns „Morgellon“ und Hendrik Otrembas „Über uns der Schaum“