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Vernichten, verzehren, verramschen: Über den Umgang mit Text

Robert Musil, 1914: „Würde man in Kilometern Zeilenlängen oder Kilogrammen Papier ausdrücken, was allein in Deutschland jährlich veröffentlicht wird, sähe man ohneweiteres, daß man es mit einem der seltsamsten sozialen Gebilde zu tun hat. Denn es muß mit dem Leben des Lebens etwas nicht stimmen, wenn die Auswanderung auf das Papier so groß ist.“ Fellini,… Weiterlesen Vernichten, verzehren, verramschen: Über den Umgang mit Text

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Papperlapathos. Über Simon Strauß‘ Manifestroman „Sieben Nächte“

Es ist ein willkommenes Buch, für alle, auch für Kritiker, die es sich zu einfach machen (wollen), die im Buch nur die falsche, hysterische, hyperaktive Artikulation eines Wohlstandskindes sehen, das sich auflehnt, ein erstes, ein letztes Mal, bevor es an den Trog der Arbeit, der Familie, der Schulden geführt wird und nie wieder etwas Größeres,… Weiterlesen Papperlapathos. Über Simon Strauß‘ Manifestroman „Sieben Nächte“

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Die Schrulle hat System. Über Francis Neniks Buch „Die Untergründung Amerikas“

Ein Buch nicht zusammenfassen zu können – das deutet meistens auf eine zähe Lektüre hin, auf eine klobige, verfahrene Geschichte. Mitunter kann die Unmöglichkeit, einen Text zu paraphrasieren, aber auf dessen beharrliche Eigenwilligkeit hindeuten, auf das Hirnrissige und heillos Eigenartige eines Buches. „Die Untergründung Amerikas“ von Francis Nenik ist glücklicherweise letzterer Kategorie zuzuschlagen. Die Protagonistin… Weiterlesen Die Schrulle hat System. Über Francis Neniks Buch „Die Untergründung Amerikas“

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Vom Verlust und vom Lesen. Über Ali Smiths Buch „Wem erzähle ich das?“

Am Beginn steht die Not: „Das volle Jahr und der Tag waren verstrichen, und ich wusste mir noch immer keinen Rat.“ Die Ich-Erzählerin hat ihre Lebenspartnerin verloren, seit einem Jahr trauert sie und versucht, wieder zu sich zu finden. Bezüglich der Beziehung und deren Ende bekommen wir in „Wem erzähle ich das?“ aber nur spärliche… Weiterlesen Vom Verlust und vom Lesen. Über Ali Smiths Buch „Wem erzähle ich das?“

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Storytelling II, … oder: Eine neue nationale Erzählung für Luxemburg

Der erste Satz von Tolkiens „Der Hobbit“ lautet: „In einem Loch im Boden lebt ein Hobbit.“ Hiermit sind die Gesetze dieser Welt definiert: Es gibt Wesen, die Hobbits heißen. Und es gibt Häuser, die in den Boden hineingebaut sind. Von nun an wissen wir, was als möglich bzw. unmöglich zu gelten hat in dieser fiktiver… Weiterlesen Storytelling II, … oder: Eine neue nationale Erzählung für Luxemburg

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Schöne Kunst kann grausam sein. Über den Hellersdorfer Literaturstreit um Eugen Gomringers Gedicht „avenidas“

Nach Sexismus-Vorwürfen soll an der Berliner Alice Salomon Hochschule eine Fassade umgestaltet werden, die das Gedicht „avenidas“ von Eugen Gomringer trägt. Die Medien schalten reflexhaft auf Eskalation, viel ist von Zensur, Missachtung der Kunstfreiheit und überzogener politischer Korrektheit zu lesen. Auffällig ist, was dabei auf der Strecke bleibt: eine Interpretation des Gedichtes. „Avenidas“ steht seit… Weiterlesen Schöne Kunst kann grausam sein. Über den Hellersdorfer Literaturstreit um Eugen Gomringers Gedicht „avenidas“

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Blogkritik I, … oder: Mal Waffe, mal Watte

Was Barbara Schöneberger für Moderationen ist, ist Gottfried Benn für Zitate: die Allzweckwaffe, die immer irgendwie den Ton trifft. Auch zum problematischen Verhältnis zwischen Gewalt und Kunst hatte der Lyriker und Essayist ein Bonmot parat: „Sei selber die ununterbrochene Gefahr, das sagt die Kunst“, notiert er in einem undatierten Entwurf. Mit dieser Denkweise, in der… Weiterlesen Blogkritik I, … oder: Mal Waffe, mal Watte