Kritiken

Surfen lässt sich nur an der Oberfläche. Über Josefine Rieks Debütroman „Serverland“

War die Tankstelle einer der mythischen Räume, an dem der Zeitgeist des vergangenen Jahrhunderts offenbar wurde, so ist der Serverraum einer der Orte, an denen das 21. Jahrhundert paradigmatisch wird. Das Brummen der Algorithmen, die umfassende Vernetzung, die schöne Kühle der technischen Geräte – in Datenzentren, wie sie „Google“ oder „Facebook“ betreiben, spielt sich die… Weiterlesen Surfen lässt sich nur an der Oberfläche. Über Josefine Rieks Debütroman „Serverland“

Allgemein

Endlich mal kein Geschichtenerzähler. Über Lorenz Justs Erzählband „Der böse Mensch“

In (Markt-)Zeiten, in denen der gähnend-gängige 220-seitige Roman mit seiner leicht kaubaren Zeitgenossenschaft Erfolge feiert, ist es gewagt, sich als Debütant für Erzählungen zu entscheiden. Mit „Der böse Mensch“ geht der 1983 geborene Lorenz Just dennoch diesen Weg. Natürlich gibt es auch bei Erzählbänden erfolgreiche Vorgängerbeispiele, etwa „Sommerhaus, später“ (1998) von Judith Hermann. Auch Karen… Weiterlesen Endlich mal kein Geschichtenerzähler. Über Lorenz Justs Erzählband „Der böse Mensch“

Kommentare

Der Wechsel der Ikonographie. Wie Migration, Klimawandel und Terrorismus unsere Zeichen verändern

1 In einem Essay auf dem diaphanes-Blog denkt Mário Gomes über Gewalt, Ästhetik und die Durchsetzung neuer „schöner“ Normen nach. An einer Stelle schreibt er über ein Foto, das einen „El País“-Artikel zum Drogenkrieg begleitet: „Zu sehen war ein nackter Frauenleichnam, der vor dem Hintergrund großflächiger Werbeplakate von einer Fußgängerbrücke herab über einer Stadtautobahn baumelte.… Weiterlesen Der Wechsel der Ikonographie. Wie Migration, Klimawandel und Terrorismus unsere Zeichen verändern

Allgemein

Im Hypermarkt der Gegenwartsliteratur. Über die „rich kids of literature“

[Eine leicht gekürzte Fassung des Textes erschien am 28. Januar bei Zeit Online.] Anfang des Jahrtausends schrieb der Lyriker Thomas Kling in seinem Essayband Botenstoffe darüber, was für ihn notgedrungen zu seiner Arbeit dazu gehöre: „Ein Image muß her; Marketing zählt.“ Das ist 17 Jahre her, aber wer sich gerade mit dem Literaturbetrieb beschäftigt, stellt… Weiterlesen Im Hypermarkt der Gegenwartsliteratur. Über die „rich kids of literature“

Kritiken

Den Zeitenwind in Worte fassen. Über Amitav Ghoshs Essay „Die große Verblendung“

Was gibt es vermeintlich Harmloseres als Smalltalk über Sonne, Nässe und Wind: „Wieder so viel Nebel. Immer noch Regen. Ach, diese Hitze!“ Im Supermarkt, vor dem Nachbarzaun, am Telefon – nur zu gerne reden wir wie Meteorologen vor uns hin. Aber in den letzten Jahren hat sich in diese unbekümmerte Plauderei etwas eingeschlichen, ein Unwohlsein… Weiterlesen Den Zeitenwind in Worte fassen. Über Amitav Ghoshs Essay „Die große Verblendung“

Interviews

Ulrich Holbein: Interviews 1994 – 2012

Ulrich Holbein wurde 1953 geboren. Er hat Sozialpädagogik und freie Malerei studiert. Seit 1989 veröffentlicht er Texte. Darunter Romane, die nur aus Zitaten bestehen, Essays, die sich um alles Mögliche drehen, eine Doppelbiografie über Jean Paul und Goethe sowie Lebensbeschreibungen von 255 Narren der Weltgeschichte. Zu seiner Vielseitigkeit meint er, »selbstredend pfleg ich sämtliche Genres,… Weiterlesen Ulrich Holbein: Interviews 1994 – 2012

Kritiken

Kassandras Standard. Über Omar El Akkads Roman „American War“

Nie war es leichter, sich als Prophet zu gebärden, nie billiger, vom Ende des Friedens, des Westens oder gleich der ganzen Welt zu künden. Ein wenig Krise, dazu Krieg samt seinen Unwägbarkeiten, mittendrin Figuren, die straucheln und fallen – schon wirkt es, als sähe man, was da käme. Was passiert aber, wenn hieraus Literatur wird?… Weiterlesen Kassandras Standard. Über Omar El Akkads Roman „American War“

Kommentare

Vernichten, verzehren, verramschen: Über den Umgang mit Text

Robert Musil, 1914: „Würde man in Kilometern Zeilenlängen oder Kilogrammen Papier ausdrücken, was allein in Deutschland jährlich veröffentlicht wird, sähe man ohneweiteres, daß man es mit einem der seltsamsten sozialen Gebilde zu tun hat. Denn es muß mit dem Leben des Lebens etwas nicht stimmen, wenn die Auswanderung auf das Papier so groß ist.“ Fellini,… Weiterlesen Vernichten, verzehren, verramschen: Über den Umgang mit Text

Kritiken

Papperlapathos. Über Simon Strauß‘ Manifestroman „Sieben Nächte“

Es ist ein willkommenes Buch, für alle, auch für Kritiker, die es sich zu einfach machen (wollen), die im Buch nur die falsche, hysterische, hyperaktive Artikulation eines Wohlstandskindes sehen, das sich auflehnt, ein erstes, ein letztes Mal, bevor es an den Trog der Arbeit, der Familie, der Schulden geführt wird und nie wieder etwas Größeres,… Weiterlesen Papperlapathos. Über Simon Strauß‘ Manifestroman „Sieben Nächte“